Verein der Freunde für Brakelhuhnzüchter
 
 

Deutsch English Français

 

Mit einigem Stolz können wir sagen, dass das Brakelhuhn oder die Brakel, wie man diese Hühner im Volksmund nennt, die älteste flämische, bedeutende Legehühnerrasse ist, die heute noch besteht. Das Ardenner Huhn hat die Ehre, die älteste belgische (wallonische) Rasse zu sein. Vor hundert Jahren traf man die Brakel auf jedem Bauernhof an. Darum wurden sie wohl auch die "Hühner der Bauern" genannt. Andere volkstümliche Bezeichnungen waren: "Die Alle-Tage-Leger", "die grauen Weißnacken" und "die Nönnchenhühner". Sie wurden gepriesen wegen ihrer besonders guten Legeleistung und waren begehrt wegen ihres gutschmeckenden Fleisches mit einem leichten Wildgeschmack. Die Tiere wurden in dieser Zeit nur abends ein bisschen gefüttert. Tagsüber hielten sie sich auf den Feldern und Äckern auf, um sich ihren Anteil an Würmern, Insekten, Samenkörnern und Grünfutter zu suchen. Auf diese Weise fand eine natürliche Auslese statt, und so blieben nur die zähesten, gesundesten und flinksten Hühner über, die abgehärtet waren gegen die widrigen Umstände unseres nassen Klimas.

Im Jahre 1898 wurde in Nederbrakel ein Spezialklub gegründet. Dieses hatte aber nichts damit zu tun, dass der Rassename "Brakel" von den Gemeinden Op- und Nederbrakel abgeleitet ist. In dem Dreieck Ninove, Geraardsbergen und Oudenaarde wurden in Massen Brakel gezüchtet und auf den Märkten in diesen Städten fanden sowohl die Hühner als auch die Eier einen reißenden Absatz. Die Zucht so vieler Tier führte zu einem Mischmasch von Rassemerkmalen, angefangen von einer hufeisenförmigen Zeichnung in den Federn anstatt der geraden Bandzeichnung, wie sie noch heute vom Standart gefordert wird. Durch ihr unterschiedliches Aussehen bekamen die Hühner in manchen Gegenden einen eigenen Namen. Man sprach z.B. von "La Poule d`Hernies", "Het hoen van Ronse", ... In der Gemeinde Chaam in den Niederlanden entstand ein Huhn mit orangefarbigen Augen, während man in anderen Gegenden versuchte, von den Brakeln ein reines Fleischhuhn zu machen. Das unterschiedliche Aussehen wurde so groß, dass beinahe kein einziges Tier mehr die Forderungen des Standards von 1898 erfüllte.

Der Ausbruch des I. Weltkriegs brachte für die Entwicklung des Brakelhuhnes sehr viel Nachteile. Viele Bestände landeten im Kochtopf und reduzierten ihre Anzahl schnell. Das Aufleben der Rasse nach dem Weltkrieg wurde praktisch durch den II. Weltkrieg wieder zunichte gemacht Hinzu kam noch die Tatsache, dass die Einfuhr ausländischer Legerassen, z.B. der Leghorn, den Brakeln fast den Gnadenstoß versetzte. Die Rasse wurde nur noch sporadisch gezüchtet und alle Bemühungen, die Brakel bekannter zu machen, hatten nur mäßigen Erfolg. Im Jahre 1968 musste man mit einem Vergrößerungsglas suchen, um noch Brakelhühner zu finden. Es war fünf Minuten vor zwölf. Eine alte flämische Hühnerrasse war im Begriff, definitiv zu verschwinden.

Einige Naturfreunde und Brakelliebheber gründeten dann im Jahre 1971 einen neuen Spezialklub für Brakelhuhnzüchter. Mit fünf übergebliebenen Exemplaren, die in Belgien noch zu finden waren, wurden Zuchtprogramme aufgestellt, Bruteier ausgetauscht und..... das Wunder geschah. Nachdem man sie lange Zeit nicht gesehen hatte, kamen die Brakel zehn Jahre später (1982) dahin zurück, wo ihre Wiege gestanden hatte. Vom Beginn der achtziger Jahre an hatten sich die Brakel wieder regeneriert.

Im Jahre 1996 feierten die 120 Mitglieder des Spezialklubs, wovon die meisten die Gold- oder Silberbrakel züchten, ihr 25-jähriges Vereinsjubiläum. Außer diesen zwei Farbenschlägen gibt es auch noch weiß-gelb-gebänderte oder chamoisfarbige Brakel, sowie blaue, weiße und schwarze Tiere. Bei den Zwerbrakeln, deren Zucht viel mühsamer ist, treffen wir ausschließlich silber- und goldfarbige Exemplare an.

Das 1983 erschienene Buch "Het Brakelhoen" ist so etwas wie die Bibel für jeden Brakelliebhaber. Das Werk umfasst eine ausführliche Studie und Standartbeschreibung der Brakel. Es ist ein "muß" für jeden Brakelzüchter. In Kürze wird eine überarbeitete Version diese Buches erscheinen (auf niederländisch).

In der heutigen Zeit mit ihrer wirtschaftlichen Gewinnsucht, in der man die Erkenntnisse der Genetik voll einsetzt, um produktionsgerechtere und wiederstandsfähigere Pflanzen und Tiere zu entwickeln, hängt das Damoklesschwert des Wiederverschwindens als eine permanente Gefahr weiter über der Brakelrasse. Müssen unsere Brakel denn wegen der Tatsache, dass sie einige Eier weniger legen als die industriell gehaltenen Legehühner, den "Kürzeren ziehen" und verschwinden? Wurde es nicht allerhöchste Zeit, dass wir alles daran setzten, ein altes Stück kulturhistorischen Erbgutes vor dem Untergang zu retten? Wachsamkeit bleibt geboten!

Wenn Sie Interesse an der Haltung von Brakelhühnern haben und wenn Sie mehr Informationen über diese prächtigen Landhühner wünschen, dann nehmen Sie bitte Kontakt auf mit folgenden Vorstandsmitgliedern des Spezialklubs:
Jan Schaareman, Gielenhofweg 13, NL-5987 NA Helden-Egchel, Tel. +31 (0)77 307 42 31
Louis van der Spoel, Nassaustraat 91, NL-2983 RC Ridderkerk, Tel. +31 (0)180 41 42 01

(Es gibt auch einen Deutschen Spezialclub)

lijn
(c) Brakelhoenvrienden 2014